Vorgeschichte

Die Vorgeschichte

Willkommen, Fremder. Du scheinst neu hier zu sein. Hol dir etwas zu trinken, genieße die Musik und lass mich dir etwas über unsere Galaxie erzählen.


Über Tausende von Jahren existierte die größte galaktische Zivilisation – eine Union, die sich dadurch auszeichnete, dass alle Mitgliedsnationen unter ihrem Schutz standen. Die Macht dieser größten bekannten Vereinten Sternenzivilisation basierte nicht auf ihrem Militär, obwohl sie die größte Flotte und Armee hätte aufstellen können. Ihr Fundament war der Handel, denn die Galaktische Union kontrollierte die zentralen Handelsrouten, die sich wie ein Netzwerk aus Gefäßen durch die Galaxie zogen. Das Herz und die Hauptschlagadern dieses Netzwerks liefen nahe dem Zentrum der Galaxie zusammen – und dieses Zentrum kontrollierte die Union. Vielleicht war ihr Ursprung kriegerisch, aber dieser Teil der Geschichte liegt so weit zurück, dass er nur noch ein Mythos ist.
Als Vereinte Nation garantierte die Union allen Mitgliedsstaaten zollfreien Handel innerhalb ihres Einflussbereichs. Nationen, die nicht Teil dieses Staatenblocks waren, mussten hohe Zölle abtreten. So baute die Union ihre Macht aus: Wer mitmachte, wurde reich, und jene, die sich verweigerten, wurden von Jahr zu Jahr ärmer.

Die Union führte Kriege, das wissen wir – wir wissen nur nicht mehr, aus welchen Gründen. Im galaktischen Sinne galt die Epoche der Union als ein großes Zeitalter des Friedens. Der Fokus auf Reichtum und Besitz war nicht nur das, was den Staat lenkte, sondern das, was ihn ausmachte.


Die Union hatte Hunderte Milliarden Einwohner, doch nur wenige von ihnen hatten etwas von dem großen Wohlstand, der diese Nation auszeichnete. Armut und Elend herrschten in den Unterschichten. Und selbst jene, die über die Runden kamen, mussten jeden Tag stundenlang arbeiten – stets bedroht, dass ihr Leben aus den Fugen gerät, wenn der monatliche Lohn ausbleibt. Jeder Mitgliedsstaat der Republik ging mit dem sozialen Gefälle anders um, was das Problem sogar noch verstärkte. Auf der einen Welt gab es nur kargen Lohn, keinen freien Tag pro Woche und keine Aussicht, eines Tages in den Ruhestand zu gehen – während nur ein Sternensystem weiter das Leben ganz anders war: faire Bezahlung, konstruktive und kreative Arbeitsformen und die Aussicht auf einen lohnenden Ruhestand.


Es war unfair, denn alles war nur ein großes Glücksspiel – und das Los für dieses Spiel wurde bei der Zeugung gezogen.

Dieser Unmut war der Nährboden für die Idee der Umverteilung – die Idee, Gleichheit und Gerechtigkeit in die Galaxie zu tragen. Schnell wurde auch der Feind erkannt: reiche Familien, Clans, Firmen, Konzerne und korrupte Politiker waren das Übel.


Aus der Idee formte sich die Revolution, die in den abgelegenen Grenzwelten der Union ihre Kräfte sammelte. Ihre Reden waren erfüllt von dem Versprechen, Rache zu nehmen für all das Elend, die Reichen zu enteignen und Gerechtigkeit notfalls mit Gewalt durchzusetzen. Es dauerte nicht lange, da folgten die ersten Taten: Anschläge, Entführungen und Attentate. Ihre Ziele waren bewusst kleine Nationen – jene, deren Vertreter nur sehr selten Redezeit im großen Parlament erhielten. Die Union hatte Tausende Mitgliedsnationen, die zusammen Hunderttausende bewohnte Welten regierten. Täglich standen Vertreter am Podest und brachten ihre Anliegen vor – doch der Prozess war ermüdend. Ohne die Unterstützung größerer Machtblöcke wurden ganze Welten einfach vergessen. Und genau diese waren die ersten Ziele.


Dann kam der Tag, an dem die Revolution in die Zentralwelten getragen wurde. Schreiende Massen stürmten die Straßen, Explosionen legten Raumhäfen und Stationen lahm. Attentäter töteten Schlüsselfiguren des öffentlichen Lebens. Der große Umsturz des Systems hatte begonnen, doch er schlug fehl. Einige Welten waren nun in den Händen der Kommunisten, andere versanken im Ausnahmezustand mit Straßenschlachten und wieder andere konnten die Ordnung wiederherstellen.

Dort, wo die Kommunisten siegten, folgten Massenenteignungen und Hinrichtungen. Das Volk jubelte, als die dekadenten Herrscher starben und ihre Besitztümer an die Revolution übergingen. Der Fehlschlag des großen Putsches führte dazu, dass nun der große Krieg begann – und das Zeitalter des Friedens endete.


Nach Hunderten Jahren des Krieges stieg ein Mann namens Valen Korven an die Führungsspitze der kommunistischen Streitkräfte auf, ein militärischer Oberkommandant und talentierter Politiker mit einer klaren Vision. Korven vereinigte die zerstrittene Führung der kommunistischen Streitkräfte und wandelte das System vom Kommunismus zum Sozialismus.
Er übernahm die Rolle des notwendigen Anführers und veranlasste entscheidende Angriffe gegen Schlüsselwelten der Union. Großadmiral Korven formte mit diesen Siegen einen Mythos um seine Person, den er nutzte, um zum ersten Regenten der sozialistischen Welten ernannt zu werden. Es dauerte noch einige Jahre, doch schließlich führte Korven die nun als Sozialistische Befreiungskräfte bekannte Streitmacht zum Sieg.

In seiner Siegesrede verkündete Regent Korven den Frieden und die Gründung des Sozialistischen Volksimperiums, wie wir es heute kennen. Um die Einhaltung der Versprechen über Gleichheit und Wohlstand zu garantieren, ernannte er sich zum ersten Imperator und strukturierte das System in den folgenden Jahren um.
War der Krieg damit vorbei? Nein, doch der endgültige Sieg war greifbar nahe. Durch die Übernahme der Zentralwelten wurden die Streitkräfte der Union in viele kleine Teile gespalten. Jeder dieser Teile musste nun für sich selbst kämpfen. Unfähig, sich dieser neuen Situation anzupassen, führten sie ihre Kämpfe weiter, als wären sie noch immer Teil eines großes Systems. Für das Imperium war es daher leicht, die letzten größeren Truppenkonzentrationen der Union gewaltsam zu zerschlagen. Nach dem Fall des letzten großen Bollwerks und der Gefangennahme bedeutsamer Führer verloren die versprengten Armeen und Flotten den Glauben an den Sieg. Die letzten Reste der einst größten Armee und Flotte der Galaxie ergaben sich dem Imperium oder flohen zu neutralen Nationen am Rande der Galaxie. Am Ende existierte die Republik nicht mehr.


Bereits vor der Gründung des Imperiums herrschten die Sozialisten mit Gewalt. Wer es nur wagte, am Sieg über den Feind zu zweifeln, galt als Verräter. Mit Umerziehungslagern und Gulags, in denen die Verurteilten bis zum Tode arbeiten mussten, hielt man das Volk gefügig.
Als Korven die Macht übernahm, begann er als Erstes, in den politischen Reihen aufzuräumen. Per Staatsbefehl wurden Hinrichtungen für jeden zugelassen, der das neue System oder ihn infrage stellte. Die große Säuberung erfolgte, in der unzählige Verräter hingerichtet wurden. Korven festigte damit seine Macht, doch auch seine Zeit in dieser Galaxie war begrenzt. Eines Tages verstarb der Imperator, und mit seinem letzten Erlass trat sein Sohn die Nachfolge an.


In den Schatten der politischen Abgründe sammelten sich Rivalen, um selbst die Macht zu erlangen. Der neue Imperator, Denius Korven, witterte die Gefahr. Sollte es ihm nicht gelingen, seine Macht zu legitimieren, würde das Imperium in einem Bürgerkrieg zerfallen. Ehe die Widersacher zuschlugen konnten, verkündete Denius, dass sein Vater ein Gott gewesen sei – und somit sein letzter Erlass nicht nur ein Wille, sondern ein göttlicher, absoluter Befehl.
Wer an Denius als Imperator zweifelte, zweifelte somit auch an seinem Vater und an der Absolutheit des Imperators, und darauf stand der Tod. So legitimierte er die Herrschaft der Blutlinie der Familie Korven. Um diesen Anspruch zu sichern, wurde die Imperiale Kirche gegründet.
Seitdem tragen ihre Prediger die Heiligen Worte des Imperators zum Volk, und ihre Agenten sind stets auf der Jagd nach Zweiflern, um diese zur Rechenschaft zu ziehen.

Das ist dreihundert Jahre her, und vieles ist geschehen.
Wo stehen wir nun?
Das große Versprechen von Gleichheit und Wohlstand wurde nie erfüllt. Die Bürger leben vor sich hin und versuchen, in dieser Ordnung zu überleben. Korruption und Machtmissbrauch sind Alltag im Schutze eines Systems, das jeden hart bestraft, der es in Frage stellt.
Die Kirche hatte damals schnell ihren politischen Zweck erfüllt und begann danach, jede andere Religion zu jagen. Somit gibt es im Imperium nur drei Arten von Gläubigen: jene, die an die neue Religion glauben, jene, die an nichts mehr glauben und jene, die sich verstecken.
Andere Nationen außerhalb des Imperiums sind dabei, ihre Armeen und Flotten zu stärken, um sich vor einem Überfall des Imperiums zu schützen.
Ich bin mir sicher, dass die Erben der letzten Elemente der vergangenen Republik irgendwo dort draußen sind und ihre Pläne schmieden, um eines Tages zurückzukehren.

Ich bin alt, aber ich sehe die Zeichen der Veränderung.
Es steht etwas bevor.
Ich weiß nicht was.
Vielleicht findest du es heraus und erzählst es dann mir.